Der Pelikan – Chronik eines Kampfes / Teil 3
2019Acryl- und Ölmalerei

Düsseldorf

Der Pelikan – Chronik eines Kampfes / Teil 3

3. Der Pelikan - Das Herz der Apotheke

Der Pelikan – Bilder eines Kampfes

Die Serie „Pelikan“ entstand aus einer existenziellen Erfahrung: dem Kampf um eine traditionsreiche Apotheke, die über Generationen hinweg geführt wurde und schließlich in einem komplexen Geflecht aus bürokratischen Strukturen und wirtschaftlichen Veränderungen scheiterte.

Der Pelikan – in der christlichen Symbolik ein Zeichen der Aufopferung – wird in diesen Bildern zur zentralen Figur eines Dramas. In einer expressionistischen Bildsprache erscheinen Geier, Geldsäcke, Flaschen, Akten und Schattenfiguren als Metaphern für Konkurrenz, Überforderung und strukturelle Macht.

Die Arbeiten sind keine dokumentarische Chronik, sondern eine subjektive künstlerische Verarbeitung eines langjährigen Konflikts. Sie verstehen Kunst als einen Raum, in dem Erfahrungen sichtbar werden können, die sich im Alltag oft nur schwer aussprechen lassen. Die Bilder erzählen von Verantwortung, Verlust und dem Versuch, nach einem tiefen Einschnitt im Leben einen neuen Anfang zu finden.

Im Zuge meines langen Kampfes um den „Pelikan“ entstanden vier Arbeiten, die persönliche Erfahrung, gesellschaftliche Beobachtung und Symbolik miteinander verbinden.

Teil 3: Der Pelikan – Das Herz der Apotheke

Die Apotheke, die ich in vierter Generation führte, trug den Namen Pelikan – ein christliches Symbol der Aufopferung. In der traditionellen Darstellung reißt sich die Mutter in ihrer Not die Brust auf, um ihre Jungen zu nähren: ein Sinnbild für Hingabe und Rettung.

In meinem Bild habe ich meine persönlichen Erfahrungen rund um das Drama um den Pelikan verarbeitet. Ein erstes Problem zeigte sich direkt 2015, nachdem ich die Apothekenleitung abgegeben hatte. Mit diesem Wechsel entwickelten sich aus meiner Sicht erhebliche Probleme, die den Ausgangspunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung bildeten. Als er endlich nach langen 3 Jahren nicht mehr im Amt war, wurde mir das ganze Ausmaß der Situation bewusst.

Gleichzeitig entwickelte sich der Stadtteil stark weiter, und große Apothekenstrukturen zeigten zunehmendes Interesse daran, sich dort anzusiedeln. Ohne es zu wissen, geriet ich damit in ein Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen.

Der Kampf um den Pelikan führte mich durch eine Zeit, die ich als bürokratischen Wahnsinn empfand und die mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit brachte. Fünf Jahre voller Schlaflosigkeit, Unsicherheit und Unverständnis haben mich viel Kraft gekostet. Für mich fühlte sich dieser Kampf zeitweise wie ein Ringen gegen Sucht, bürokratische Strukturen und wirtschaftliche Interessen an.

Auf dem Bild sind auch die Jungen des Pelikans zu sehen. Sie bewegen sich zwischen Jägermeisterflaschen – eine Anspielung auf meine damaligen Eindrücke aus der Apotheke.

Links im Bild erscheint eine Figur mit verbundenen Augen. Sie symbolisiert aus meiner Sicht das Gefühl behördlicher Blindheit und Ohnmacht, das ich damals empfand. Im Hintergrund werden Geldsäcke verschoben – eine künstlerische Metapher für wirtschaftliche Interessen und strukturelle Machtverhältnisse, wie ich sie wahrgenommen habe.

Auch eine apothekenspezifische Online-Presseplattform ist in der Bildwelt angedeutet. Dort erschienen damals Berichte über die Situation, die ich als einseitig und verletzend empfand. Es gab zahlreiche Leserbriefe von empörten Lesern. Diese Stimmen waren jedoch schnell nicht mehr sichtbar.

Im Hintergrund tauchen außerdem die Buchstaben „DA“ auf. Sie sind bewusst fragmentarisch gehalten und stehen im Bild symbolisch für neue große Apothekenstrukturen, die damals in den Stadtteil drängten.

Schließlich konnte die Apotheke nach einem Jahr der Schließung noch einmal eröffnet werden. 8 Monate arbeitete ich Tag und Nacht. Der Pelikan erscheint im Bild mit einer Art Siegermiene.

Auf diesem Weg habe ich erlebt, dass es Menschen gab, die mir ehrlich halfen – aber auch einen, dessen Verhalten ich als von Selbstüberschätzung, Gier, Angst und Täuschung geprägt empfand. So wurde ich noch tiefer in den Sumpf gezogen.

Es war eine Schlacht.

Am Ende habe ich losgelassen. Der Pelikan hat viele Federn lassen müssen. Im März 2020 habe ich die Apotheke endgültig geschlossen.

Nur einige der vielen Presse Artikel :

https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/so-schwierig-war-es-die-duesseldorfer-pelikan-apotheke-wieder-zu-eroeffnen_aid-46775997

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/02/11/apothekerin-erhaelt-betriebserlaubnis-trotz-fehlender-barrierefreiheit

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/panorama/historische-pelikan-apotheke-darf-wiedereroeffnen-trotz-fehlender-barrierefreiheit/

https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/historische-pelikan-apotheke-darf-trotz-treppenstufen-wiedereroeffnen_aid-36661573